gemeinsam frühstückt... dann sind wir immer noch in der Rehaklinik in Bad Westernkotten ;-D
Ich habe gerade gemerkt, dass ich Euch noch den Post der verschiedenen Charaktere schuldig bin - und versprochen ist versprochen:
Vorweg sei gesagt, dass mir hier durchweg nur nette Leute begegnet sind und auch die nachfolgend eingehender behandelten sind furchtbar sympatisch - nur ragen sie entsprechend aus der Masse heraus - also sollte sich jemand meiner Leidensgenossen hier wiedererkennen - nichts ist böse gemeint ;-)
Mir passiert es oft, dass ich Leuten begegne zu denen sich mir sofort eine ganz bestimmte Assoziation ergibt wie z.B. bei König Karl der Viertelvorzwölfte (Jim Knopf oder???) Klein, 1,60 m im Quadrat - das Shirt so lang wie die Hose, die Füße nach Außen gestellt, der Gang leicht watschelnd, permanent gramisiger Gesichtsausdruck, hartnäckig den Crosstrainer bearbeitend und schnaufend auf Leistung kommend - ist er doch eine Seele von Mensch und allseits beliebt.
Fräulein Unruh hingegen kommt schon nach mindestens 50 Bahnen schwimmen abgekämpft im Frühstücksraum an um sich nach heroischer Einnahme eines üppigen Müslis in Form von einem EL Haferflocken, 1 EL Cornflakes, wenig ungesüßtem Obst und reichlich 2 Teelöffeln Magerjoghurt im Dauerlauf auf den nächstbesten Ergometer zu schwingen um diese gigantischen Kalorien wieder ab zu trainieren. Ebenso zucken die Fitnessgeräte bei ihrem Anblick schon zusammen, weil sie mit unverminderter Härte auf ihnen trainiert. Ist die Halle auf Grund anderer Terminierung für sie geschlossen, radelt sie km-weit auf einem gemieteten Tourenrad sämtliche Strecken der Umgebung ab oder fährt sie alternativ mit Inlinern. Ein einziges Mal habe ich sie in langen Hosen gesehen - am Tag ihrer Abreise!
Ihr zur Seite hätten wir das arme kleine Hascherl stellen können - höchstens 20 Jahre muss sie sich im Kreise unseres Seniorenstiftes wie ausgesetzt gefühlt haben. Ihres Zeichens aktive Fußballerin ist sie bei einem Kopfballduell mit ihrer Kontrahentin zusammen gestoßen - ihrem Kopf hat das nicht sonderlich gut getan und es wurde Nacht... um Folgeerscheinungen auszuschließen wurde sie hier wieder mobilisiert und um den in jeglichen Formen vorkommenden Gebrechen der altersmäßig weit Fortgeschrittenen zu entgehen - rannte sie sich Morgens, Mittags, Abends und wenn sie mittlerweile nicht entlassen worden wäre - immer noch die Seele aus dem Leib!
Die spätpubertierende rote Zora - mit wildtoupierten Haaren, die wirklich so knallerot waren - feuerrot, noch röter, die sie sich vorzugsweise am Frühstückstückstisch auch noch wild durchschüttelte und die auch noch mit Mitte 30??? nur schwarze Sachen trug, die mindestens ein Seeräuberemblem wie Totenkopf, Säbel, Piratenschiff oder alles auf einmal auf ihren Oberteilen oder Hosen trug, gerne auch mal kombiniert mit Kapuzenjäckchen, deren Mütze über den ganzen Rücken reichte und die die Herrschaft über die Raucherecke intus hatte.
Erwähnenswert ist auch noch Mr.-Mir-Gefällt-Gar-Nichts, der an allem und jedem und grundsätzlich und überhaupt überall alles Schei... fand, dem keine Anwendung was gebracht hat, dem es nie geschmeckt hat - was man an fehlender Gewichtsabnahme und der Brotbelegung mit mindestens 4 Scheiben Wurst deutlich merken konnte, der aber gern einen Musterteller gehabt hätte, der ihm die magere Darstellung der Reduktionskost verdeutlicht hätte. Den von uns gemachten Einwand - doch die Hälfte des Brotbelages fort zu lassen - wischte er verachtlich zur Seite und holte sich generell bei abendlichen Kalorienbomben wie frittierten Kartoffelprodukten etc. gerne noch mal einen Nachschlag und der sich - weil nur Reha- und nicht AHB-Patient als Mensch 2. Klasse vorkam.
Dann wäre da noch die Hutzelhexe aus Hänsel und Gretel, die statt eines Besens mit dem Rollator als Fortbewegungsmittel einherzog - sich bei näherer Ansicht mehr wie eine gute Fee entpuppte und km um km - auch wenn es ihr sichtlich schwer fiel - mit ihrem Gehmobil durch den Kurpark bewegte, superlieb und hilfsbereit war eine Trittleiter gebraucht hätte um in den mittäglichen Suppentopf zu schauen. Mit ihr habe ich lange und ausgiebige Gespräche geführt und so einiges von ihrer Gelassenheit übernehmen können.
Rehatechnisch vor Ort sind auch Pat und Patachon, die sich am Tag ihrer Anreise gesucht, gefunden und nicht wieder losgelassen haben. Pat in Form von einer lang aufgeschossenen mehr als schlanken Frau und Patachon ebenfalls weiblich - dafür aber quadratisch, praktisch, gut immer im Kielwasser der vorauseilenden Pat, die sowohl die Richtung wie auch die Art und Weise der Freizeitgestaltung vorgibt.
Frau-ach-wie-gehts-mir-heut-schlecht-die-Krankheit-hab-ich-auch war täglich mindestens einmal in der ärztlichen Abteilung um sich neue Medikamente aufschreiben zu lassen von denen sie irgendwo mal wieder was gehört hatte. Umgehend nach Einnahme halfen die dann auch - auch wenn sie den Mageneingang noch nicht passiert hatten. Ich schätze, die Klinik wird hier einen Großteil ihres Placebo-Bestandes abgearbeitet haben. Der größte Fehler war der, sie zu fragen, wie es ihr geht und an ihrem Tisch hatte man sich nach mehrtägiger Erzählung ihrer Krankheitsgeschichte dieses Thema ausdrücklich verbeten. So saß sie denn im Entree der Klinik immer Ausschau haltend nach Neuankömmlingen, die noch nicht wussten, was auf sie zukommt - sollten sie ihr in die Finger fallen. Drama pur war - dass sie nach 3 Wochen - obwohl gegen sie ein Skelett übergewichtig war und sie doch grundsätzlich Diät hielt - e i n kg zugenommen hatte! Ein ganzes Kilo - ob das wohl daran lag, dass sie grundsätzlich im Rollkragenpullover auf dem Ergometer saß?
Ich könnte noch reichlich Leute durch den Kakao ziehen - aber - wie Eingangs erwähnt - sie waren und sind mir alle sympatisch (na ja - mal mehr, mal weniger) und auch ich bin nicht gemalt und sicher, dass die eine oder andere hämische Bemerkung hinter meinem Rücken gefallen ist - Aber nichts macht mehr Spaß als über Leute herzuziehen - geht es Euch nicht ähnlich?
Ich habe heute ein paar Dankeskarten gescrappt - ein paar Trinkgelder werden verdientermaßen fällig und wie ich es mitbekommen habe - ersaufen die Therapeuten in Süßigkeiten, also fällt diese Verpackung weg und es gibt was in der Karte! Ich werde jetzt noch so 2-3 LO's scrappen und dann heißt es nach einem morgigen mit Terminen noch vollgepackten Tag schon wieder Koffer packen.
Jede Menge schmutzige Wäsche nehme ich wieder mit und mehr als 5 kg Gewichtsabnahme lasse ich hier. Viele gute Erfahrungen habe ich gemacht, nette Leute kennen gelernt und bin schon fast wieder wie neu. Der mich zuletzt behandelnde Oberarzt und Orthopäde ist eine Kapazität auf seinem Gebiet und hat mir ein gehöriges Stück Lebensqualität nicht zuletzt durch Gespräche und gesundheitliche Erkenntnisse zurück geben können - ebenso wie die hier arbeitenden Physio- und Ergotherapeuten. Und jederzeit werde ich gern hierhin zurück kommen - spätestens bei meiner nächsten Hüfte - denn die kommt - so sicher wie das Amen in der Kirche!
Gestern war noch unser aller Jenni da, die mit mir die magere Gemüsesuppe geteilt hat, gequatscht und gefachsimpelt und mir was "leckeres zum Lesen" da gelassen hat bevor sie weiter zu ihrem Termin musste.So - Euch allen Gesundheit und noch einen schönen Restsonntag.
Eure Conny